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Zum Muttertag wünsche ich Dir von Herzen das Schönste und das Beste. Muttertag. Donnerstag, 24. Mai 2018 00:35:02

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Zusatzinformation
Es gibt wahrscheinlich nur einen Festtag, der noch umstrittener ist als
der Muttertag - und zwar der Vatertag, dem aber nur mäßige Bedeutung
zukommt. Während die einen rätseln, welchen Kuchen sie heuer backen und
welches Gedicht aufsagen sollen, wissen die anderen (die damit geehrten
Frauen und Mütter) bisweilen nicht so recht, ob sie sich tatsächlich
geehrt fühlen sollen. Ob beim Muttertag etwas schiefgelaufen ist, kann
vielleicht die Geschichte aufkären - oder auch nicht ...
Das Bedürfnis nach einem Muttertag (abgesehen von kommerziellen
Interessen) hat zweifellos einen natürlichen Grund. In den grauen (?) Vorzeiten gab es damit
kein Problem. Jeder Kulturkreis hatte zumindest eine hochverehrte
Göttermutter: Mit Rhea, Hera (Griechen) - Kybele, Juno (Römer) - Manu
(Kelten) - Frigg, Freja (Germanen) usw. gab es allenortes Göttinnen, mit
denen sich Frauen und Mütter identifizieren konnten.
Die heute gängigen Weltreligionen haben
damit Schluss gemacht und die Mütter zumindest aus der Position von
Göttern und gleichzeitig auch aus den oberen Hierarchien entfernt.
Beispielhaft dafür die Umwandlung des Lupercalia-Festes (zu Ehren von Juno
als Beschützerin der Familie und Ehe) in den St. Valentinstag durch das
Christentum.
Kein Wunder, dass sehr starke Frauen
sich wieder für einen Tag der Mütter eingesetzt haben, bis der Muttertag
installiert war.

Anna Jarvis war nicht die erste, aber die erfolgreichste im Bemühen, einen Muttertag einzuführen.
Ihre Energie ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sie eines von
elf Kindern war. Sie wählte den Todestag ihrer Mutter Ann Marie Reeves
Jarvis (8. Mai 1905) und feierte diesen erstmals zwei Jahre später in
einer Kirche ihres Heimatortes Grafton/West Virginia.
Bereits im Jahr darauf war ein Name für
das Fest gefunden: "General Memorial Day Of All Mothers". Die
Muttertagsfeiern breiteten sich regional aus und erreichten 1911
Philadelphia. Zahlreiche Eingaben bei Präsident Woodrow Wilson bewogen
diesen schließlich 1914, den Muttertag zum nationalen Feiertag zu erheben.

Zweifellos beeinflußte den Politiker
dabei auch einiges Kalkül. Es war sowohl eine Geste in Richtung der stark
gewordenen Frauenbewegung, als auch in Hinblick auf den heraufdämmernden
Krieg: Der Muttertag war in seinem Ursprung als Friedenstag ausgelegt.

Die Vorläufer: Ann Marie Reeves Jarvis
...
Die Mutter der letztendlich erfolgreichen Begründerin hatte sich bereits
lange vorher dem Thema gewidmet.
Von ihren 11 Kindern hatten nur 4 das Erwachsenenalter erreicht. 1858
gründete sie die "Mothers Days Works Clubs", die an einer Beseitigung
sanitärer Missstände arbeiteten - dem hauptsächlichen Grund für die hohe
Kindersterblichkeit. Bereits drei Jahre später bot der Bürgerkrieg ein
weiteres Arbeitsfeld - aufgrund der Lage zwischen den Fronten für beide
kriegsführende Parteien.

Nach Beendigung der Kämpfe versuchte Ann
Marie Reeves Jarvis 1865 unter dem Namen "Mothers Friendships Day" eine
Bewegung der Mütter (Familien) für den Frieden zu installieren, welcher
allerdings nur wenig Aufmerksamkeit beschieden war. Somit blieb die Pionierin in erster
Linie mit ihren Todestag im späteren Muttertag verankert.
... und Julia Ward Howe
Ann Marie Reeves Jarvis war nicht allein auf weiter Flur gestanden: Julia
Ward Howe, als Schöpferin des Textes der "Battle Hymn Of The Republic"
(dem meistgesungenen Lied des Bürgerkrieges, dessen ursprünglichen Text
sie entschärft hatte) bekannt geworden, startete 1870 eine eigene
"Mütter-Friedenstag" Initiative:
Es sollten nicht länger Männer und Söhne in Kriegen geopfert werden.
Auch ihr blieb vorerst ein
weiterreichender Erfolg versagt.


Heinrich III. - Urvater des Muttertages
Wie so häufig dürfen die USA auch beim Muttertag nicht in Anspruch nehmen,
die ersten (wenngleich "erfolgreichsten") gewesen zu sein. Da hatten
nämlich die Engländer die Nase voran, lange bevor Amerika überhaupt
entdeckt war. Ein Mann, Heinrich der Dritte
(1216-1239), rief den "Mothering Day" ins Leben. Gefeiert wurden nach
seinem Willen allerdings nicht die menschlichen Mütter, sein Dank galt der
"Mutter Kirche". Das gemeine Volk ließ es sich allerdings
nicht nehmen, dem königlichen Willen seine eigenen Intentionen folgen zu
lassen: Alsbald war es üblich, dass am "Mothering Day" die erwachsenen
Kinder zur Mutter nachhause zurückkehrten und einen "Simmel Cake" (auch "Simnel Cake", Semmelbrösel-Kuchen) mitzubrachten.
Gefeiert wurde der "Mothering Day" am
Sonntag Laetare (=Mitfasten), welcher je nach Lage von Ostern in den März
fällt. Der Simmel Cake fand deshalb auch als
Ostergebäck Eingang. Wer den schmackhaften Kuchen probieren möchte, wird
auf den Seiten der Anglikanischen Kirche mit 2 Rezepten fündig.

Ein Friedensfest geht um die Welt. Interessanterweise war es die Heilsarmee, die den
amerikanischen Muttertag nach Kontinental-Europa brachte. Noch während des Krieges war es die
nicht direkt betroffene Schweiz, wo 1917 der Muttertag zuerst Eingang
fand. Es folgten die nördlichen Länder Norwegen (1918) und Schweden
(1919).
Deutschland wurde 1922 durch eine
massive Initiative des Blumenhandels mit dem Muttertag beglückt und
spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte der kommerzielle Aspekt Oberhand.

Idealismus steckte noch in Österreich
dahinter, als Marianne Hainisch (die Mutter des Bundespräsidenten) 1927
den Muttertag via Rundfunk durchsetzen konnte.
Ideologisches Kalkül war wohl der
Antrieb, den Muttertag zu Zeiten der Naziherrschaft massiv in das
Mütterkonzept einzubinden und 1933 offiziell zu installieren.

Ann Jarvis (gestorben 1946) musste die
totale Kommerzialisierung ihrer Friedensidee miterleben. Sie selbst war
nie Nutznießerin geworden, weil kinderlos geblieben.
Die kommunistischen Staaten hatten sich
auch datumsmäßig vom Kommerzfestival abgehoben und feierten ihre Mütter am
8. März. Dieses Datum hat heute noch Bedeutung als der "Internationalen
Tag der Frauenrechte - International Womens Rights Day". Mehr darüber
finden Sie auf den Seiten von Amnesty International.